Stressfalle Urlaub
Urlaub als Stressfaktor
Rund die Hälfte der Urlauber, das
zeigen Umfragen, ist am Ende ihrer Ferien weder erholt noch zufrieden. Für viele endet der Urlaub sogar als Horror Trip: Etwa jede dritte Ehescheidung in Deutschland wird nach einem gemeinsamen Urlaub eingereicht. Nur nach der Weihnachtszeit haben Scheidungsanwälte ähnlich viel Arbeit. Im Urlaub sind die Erwartungen an den Partner, an die Familie oft besonders hoch. Dabei sollte man sich jedoch klar machen: man fährt mit den gleichen Personen, mit denen man ansonsten auch zusammen lebt. Man sieht sie nur öfter. Urlaub ist Alltag unter verschärften Bedingungen.
Klassische Konfliktquellen
- Zu viele Erwartungen: In einer Woche kann man nicht einen dicken Roman lesen, ein toller Spielgefährte seiner Kinder sein, die Partnerin verwöhnen und nebenbei noch ein paar kreative Ideen für das nächste Projekt entwickeln. Wer alles versucht, wird nichts verwirklichen, Frust verbreiten und selbst frustriert sein.
- Zu viele Probleme: Mit sich herumgetragene Probleme werden häufig einfach an den Urlaubsort mitgeschleppt. Oft kommen zum Beispiel gerade im Urlaub Partnerschaftsprobleme zum Ausbruch. Der Wechsel zwischen Familien- und Berufswelt entfällt, der Raum, auf dem man zusammenlebt, ist enger. Vor Ort gibt es dann noch neue, äußere Probleme (schlechtes Wetter, schlechtes Hotel etc.). Häufig bilden die inneren und äußeren Probleme eine Koalition und führen gemeinsam Krieg gegen Urlaubsfreude und Erholung.
- Zu wenig Kommunikation: Wir kommunizieren im Urlaub nicht besser miteinander als zuhause. Der Alltag der meisten von uns ist so, dass wir uns nicht genügend Zeit nehmen, Gutes- Miteinander-Reden einzuüben. Es läuft wie's läuft, oft schlecht und recht, gewohnheitsmäßig eben. Und das kommt im Urlaub noch viel schlechter an als im Alltag, weil die Situationen nicht so eingefahren und routiniert wie zuhause und natürlich die Erwartungen viel höher sind.
- Zu wenig Geld: Haben alle Beteiligten im Urlaub ähnliche Vorstellungen über das Geld ausgeben? Gibt es ein ausreichendes finanzielles Polster? Nichts tötet Lust und Initiative so sicher, wie wenn man jeden Cent zweimal umdrehen muss, auch wenn man am schönsten Urlaubsort ist.
Autor: Annegret Steinkamp
Datum: 24. Juni 2009
Goldene Regeln
- Alle planen mit: Einer will Entspannung pur, der andere vielleicht das große Abenteuer. Jedes Familienmitglied sollte sich fragen, wie es sich den idealen Urlaub vorstellt. Dann kann man sich zusammen setzen und gemeinsam ein Reiseziel auswählen. Den idealen Ort für alle Familienmitglieder mag es zwar nicht immer geben, aber zumindest sollte für jeden etwas dabei sein. Jedenfalls kann man durch das Gespräch vorher Frust und Streitereien über unausgesprochene, und deshalb auch nicht erfüllte Erwartungen vermeiden.
- Vorbereitung aufteilen: Die Verantwortung für die Urlaubsvorbereitung sollte im Vorfeld unter den Familienmitgliedern aufgeteilt werden: Tickets kaufen, Mietwagen bestellen, Geld besorgen, Pässe verlängern, und so weiter. Dinge, an denen man selbst mitgearbeitet hat, weiß man oft mehr zu schätzen. Jeder sollte also in irgendeiner Form mithelfen, und vielleicht wird die Einstellung zum Urlaub dadurch bei jedem etwas positiver.
- Vor- und Nachurlaubstage: Psychologen raten dringend davon ab, fünf Minuten nach Dienstschluss in den Urlaub zu reisen. Eine derartig schnelle Abreise setzt alle Beteiligten unnötig unter Druck. Sinnvoll ist es, sich einfach ein paar Vor- Urlaubstage zu gönnen, die man mit der Familie zuhause verbringen kann. Ebenfalls gut: "Nach-Urlaubstage" einplanen.
- Keine Arbeit im Urlaub: Arbeit sollte man, wenn es denn irgendwie geht, sich selbst und der Familie im Urlaub ersparen. Aktenberge im Hotelzimmer können auch Fluchtburgen sein, weil man mit der Nähe zur Familie nicht zu recht kommt.
- Nicht zuviel Planung: Nicht jeder Urlaubstag muss generalstabsmäßig vorbereitet und durchgeführt werden. Manche können das Nichtstun in solchen Situationen genießen, andere werden nahezu wahnsinnig, wenn Sie nicht wenigstens zwei Programmpunkte pro Tag abhaken können. Wenn die Partner in dieser Sache gleich "ticken" dann ist das wunderbar. Ansonsten sollte man Kompromisse suchen, mit denen alle leben können.
- Nicht zuviel Nähe: Im Urlaub ist man 24 Stunden am Tag zusammen. Das ist für viele ungewohnt, kann ein Gefühl von Einengung auslösen. Die Partner können ruhig mal etwas getrennt unternehmen, ohne dabei gleich die Liebe des anderen in Frage zu stellen. Akzeptieren sollte man die Freiräume und Interessen des anderen ohne sich gleichzeitig gezwungen zu fühlen bei allem mit zu machen. Das Motto heißt: kompromissbereit sein. Das gilt dann allerdings für alle. Keiner der Betroffenen sollte zu kurz kommen. Besichtigungen und Shopping zum Beispiel lassen sich oft gut miteinander verbinden. Man muss es nur wollen.
- Handyregeln: Die Familie sollte sich vorher einigen, ob das Handy mitgenommen werden darf - und wenn ja, wie und wann es benutzt wird.
Autor: Annegret Steinkamp
Datum: 24. Juni 2009
Gute Planung
Tipps zur Urlaubsplanung
Es gibt keine Rezepte, deren Anwendung so etwas wie Urlaubsglück und perfekte Erholung garantieren. Aber es hilft sehr, wenn Sie vorher herausfinden, welche Erlebnisse Sie im Urlaub wirklich brauchen. Generell gilt, dass Kontrast-Erlebnisse zum Berufsalltag günstig sind für die Erholung. Wer zum Beispiel ständig mit vielen Menschen zu tun hat, sollte sich im Urlaub auch mal zurückziehen, der technische Einsiedler könnte im Chor singen, der Berufskraftfahrer wandern gehen, der Uhrmacher einen Baum fällen.
- Hohe Fremdbestimmung: Wer in seinem Alltag - durch Arbeitsanforderungen oder familiäre Pflichten - hoher Fremdbestimmung unterliegt und geringen eigenen Entscheidungsspielraum hat, der sollte das im Urlaub ausleben. Menschen mit dieser Art von Lebensbelastung haben gute Erfahrungen mit Wanderungen, Bergtouren oder Urlaub auf dem selbst gecharterten Schiff gemacht: Man steht buchstäblich auf der Kommandobrücke und steuert sein Lebensschiff.
- Hohe Verantwortung: Im Urlaub erzielen Menschen mit hoher Verantwortung ihre besten Erholungserfolge, wenn sie die entgegen gesetzte Rolle übernehmen können zum Beispiel bei einem Urlaub auf dem Segelschiff als Teil einer Mannschaft. Planung und Verantwortung für Schiff und Crew sind Sache des Skippers.
- Hohe Fürsorgeeinstellung: Solche Menschen sind von der Aufopferung für andere oft völlig ausgelaugt und brauchen dringen Erholung. Aber im Urlaub setzen sie ihr Verhalten meist fort, sie kümmern sich um Kinder, Abwasch, Einkäufe, nur nicht um sich selbst. Sie müssen regelrecht wieder lernen, Freiheit von Pflichten als Genuss zu empfinden. Genuss und Erholung sind für sie wichtige Lernziele im Urlaub, wie beispielsweise beim Besuch eines Wellness-Hotels.
- Hohe Dauerspannung: Es gibt Menschen, die es im normalen Urlaub nicht schaffen, von ihrem Anspannungs- und Stressniveau herunterzukommen. Sie ersetzen die Arbeit durch andere Tätigkeiten, denen sie dann ebenso exzessiv nachgehen. Ein Beispiel für den richtigen Urlaub: Esel-Trekking in den spanischen Bergen. Eine geführte Wanderung, fernab der Zivilisation, bei der Esel und Gepäck und Proviant tragen und Tempo und Pausen bestimmen.
Sind die Bedürfnisse der Urlaubspartner stark voneinander abweichend, ergeben sich starke Konfliktfelder. Umso wichtiger ist es, Unvereinbarkeiten im Vorfeld zu klären, um sich damit dann konstruktiv auseinanderzusetzen.
Weitere Informationen
Autor: Annegret Steinkamp
Datum: 19. September 2008
Überarbeitet: 24. Juni 2009
Quelle: unter anderem: Stark, M.; Sandmeyer P.: Wenn die Seele neue Kraft braucht. Rohwolt, Reinbek 2000
