Ursachen
Alkoholsucht: Ursachen
Die Alkoholsucht entsteht wie andere Suchterkrankungen auch, durch verschiedene Faktoren.
Zusammenwirken von genetischen Ursachen, Lernfaktoren und dem sozialen Umfeld können in eine Abhängigkeit führen. Auch einschneidende Lebensereignisse oder eine chronische Überforderung im Alltag münden, wenn sie mit Alkohol gelindert werden, oft in eine Sucht.
Zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Alkoholabhängigkeit, das sind circa fünf Prozent der männlichen und zwei Prozent der weiblichen Erwachsenenbevölkerung.
Autor: Cand. med. Susanne Günther
Datum: 09. Juni 2009
Symptome
Alkoholsucht: Symptome
Die Symptome sind sehr vielfältig, da Alkohol ein starkes Zellgift ist und jedes Organsystem angreifen kann. Typische körperliche Symptome sind:
- Allgemeines Unwohlsein
- Appetitverlust, Gewichtsverlust
- Gerötete Gesichtshaut
- Sichtbare lilarote Gefäßverzweigungen in der Haut (Spider-Nävi)
- Muskelschwund besonders an den Waden
- Magenschleimhautentzündung, Magengeschwür, Erbrechen, Durchfall
- Vermehrte Schweißneigung
- Feuchte, kühle Hände und Füße
- Schlafstörungen
- Potenzstörungen
- Nervenschädigungen
Psychische Symptome korrelieren individuell mit dem Alkoholgehalt im Blut:
- Gehobene Stimmung
- Abbau von Ängsten und Hemmung
- Steigerung von Antrieb und Motorik
- Störungen von Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen
- Gereiztheit, Aggressivität, Erregungszustände
- Bewusstseinsstörungen, Desorientierung, komplette Amnesie (Gedächtnisverlust)
Setzen Alkoholabhängige gewollt oder ungewollt den Alkohol ab, entsteht in der Regel ein Alkoholentzugsyndrom das bis zu einer Woche dauern kann:
- Brechreiz und Durchfälle
- Herzrasen, Bluthochdruck und erhöhte Atemfrequenz
- Schwitzen, Zittern
- Innere Unruhe, depressive Verstimmung, Angst, Konzentrationsstörungen
- Erhöhte Empfindlichkeit für äußere Reize, flüchtige Halluzinationen
- Krampfanfälle
Autor: Cand. med. Susanne Günther
Datum: 09. Juni 2009
Diagnose
Alkoholsucht: Diagnose
Die Diagnose wird anhand der Kriterien einer Suchterkrankung gestellt. Folgende sechs Punkte sind kennzeichnend für die Alkoholabhängigkeit und müssen abgefragt und vom Arzt objektiviert werden:
- Starker Wunsch/Zwang Alkohol zu konsumieren
- Kontrollverlust bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge Alkohol zu konsumieren
- Körperliche Entzugssymptome bei Beendigung oder Reduktion des Alkohols
- Tolleranzentwicklung, es werden immer größere Mengen Alkohol gebraucht um den selben Effekt zu erzielen
- Vernachlässigung anderer Aufgaben und Interessen zugunsten des Konsums oder der Beschaffung von Alkohol
- Anhaltender Alkoholkonsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen
Mindestens drei dieser Kriterien müssen erfüllt sein, wobei bei Alkohol besonders der Kontrollverlust, die Entzugserscheinungen und die Tolleranzentwicklung im Vordergrund stehen. Die Erhöhung bestimmter Leberwerte (gamma-GT, GOT, GPT) und eine Veränderung des Volumens der roten Blutkörperchen können ebenfalls auf eine Schädigung durch Alkohol hinweisen.
Circa 80 Prozent aller Alkoholkranken stellen sich einmal pro Jahr ihrem Hausarzt wegen Magen-Darm-Beschwerden oder Kreislaufproblemen vor. Dennoch wird die Diagnose kaum gestellt. Suchterkrankungen stellen immer noch ein heikles Thema zwischen Arzt und Patient dar und selten spricht der Betroffene seine Probleme an.
Autor: Cand. med. Susanne Günther
Datum: 09. Juni 2009
Behandlung
Alkoholsucht: Behandlung
Die Behandlung richtet sich stark nach Stadium der Erkrankung. So kann bei risikohaftem Gebrauch oft noch eine Frühintervention greifen.Bei einer offensichtlichen Abhängigkeit ist dagegen eine qualifizierte Entzugsbehandlung notwendig. Vorraussetzung einer Therapie ist immer die Bereitschaft des Patienten. Oft kommen Patienten fremdmotiviert zum Arzt und es muss erst eine eigenen Behandlungsmotivation erarbeitet werden.
Die Qualifizierte Entzugsbehandlung beginnt mit einer Entgiftung in einer spezialisierten Klinik. Hier können auch Medikamente zum Einsatz kommen, die Entzugserscheinungen, Halluzinationen und Krampfanfälle verhindern. Die psychotherapeutischen Behandlungsmethoden werden meistens als Gruppen- oder Einzeltherapieprogramm durchgeführt, in denen Informationsvermittlung und Verhaltensanalysen stattfinden, aber auch Entspannungstechniken und Techniken zur Rückfallprävention erlernt werden.
Zur Festigung der Abstinenz findet häufig eine psychotherapeutische Langzeittherapie bis zu einem halben Jahr statt.Auch anschließend ist es ratsam eine ambulante, psychologische Nachbetreuung in Anspruch zu nehmen oder sich in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen gegenseitig zu motivieren, um eine dauerhafte Lebensänderung zu erreichen. Es stehen auch einige Medikamente zur Verfügung, die das Verlangen nach Alkohol reduzieren können.
Autor: Cand. med. Susanne Günther
Datum: 09. Juni 2009
Prognose
Alkoholsucht: Prognose
Die Alkoholabhängigkeit schränkt die Lebensqualität extrem ein und geht mit einer hohen Sterblichkeitsrate einher. So sterben pro Jahr in Deutschland rund 42 000 Menschen an den unmittelbaren Folgen einer Alkoholsucht.
Besonders die Leberzirrhose spielt nach langem Konsum eine Rolle. Bei Männern reichen bereits 60 Gramm Alkohol (eine Flasche Wein), bei Frauen nur 20 Gramm Alkohol (ein halber Liter Bier) täglich. Alkohol erhöht auch das Risiko von Krebserkrankungen jeder Art, insbesondere in Verbindung mit Nikotinkonsum.
Ein Viertel der Alkoholiker unternimmt in ihrem Leben einen Selbstmordversuch, der in zehn Prozent der Fälle auch gelingt. Die Erfolgsraten von stationären Entwöhnungsbehandlungen liegen bei 60 Prozent, ein langfristiger Erfolg wird aber nur bei etwa 40 Prozent der Betroffenen erreicht.
Autor: Cand. med. Susanne Günther
Datum: 09. Juni 2009
Vorbeugung
Alkoholsucht: Vorbeugung
Da Alkohol in unserer Gesellschaft eine legale und anerkannte Droge ist, muss man sich einen kritischen Umgang damit bewahren. Jeder sollte seinen Konsum selbst beobachten und bewusst über längere Zeiträume auch einmal ganz auf Alkohol verzichten.
Übersteigt der Alkoholkonsum regelmäßig die empfohlene risikoarme Menge (Frauen bei 20 Gramm Alkohol pro Tag, z. B. 0,25 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein, und bei Männern bei 30 Gramm Alkohol pro Tag, z. B. 0,5 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein) ist Vorsicht geboten.
Wer das Gefühl hat, seinen Konsum verringern zu müssen, deswegen Schuldgefühle hat oder bereits morgens trinkt, um sich zu beruhigen, für den kann das Trinkverhalten zum Problem werden. Sind bereits dauerhaft psychische oder körperliche Symptome vorhanden, die regelmäßig mit Alkohol bekämpft werden, dann sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn trotz Schwangerschaft oder Leistungsminderung am Arbeitsplatz das Verlangen nach Alkohol nicht unterdrückt werden kann, sollte ein Arzt oder eine Beratungsstelle aufgesucht werden.
Weitere Informationen
Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahr e. V. (DHS)
Autor: Cand. med. Susanne Günther
Datum: 09. Juni 2009
Quellen: Brunnhuber, S.; Frauenknecht, S.; Lieb, K.: ”Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie” 5. Afl., Elsevier Urban & Fischer, München 2008
