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Definition

Psychotherapie: Definition
Psychotherapie bedeutet die „Behandlung der Seele“ und ist der Oberbegriff für alle Behandlungsformen psychischer und psychosomatischer Störungen. Psychische Störungen (auch „seelische Krankheiten“ oder psychische Erkrankungen) sind beispielsweise Angsterkrankungen, Depressionen, Essstörungen, Neurosen und Psychosen. 

 

In der modernen Medizin werden psychotherapeutische Maßnahmen auch als Ergänzung zur rein physischen Behandlung eingesetzt, etwa bei Tumorerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei chronischen Schmerzen oder neurologischen Beschwerden, wie Migräne. Wer ein psychisches Problem hat und es alleine nicht lösen kann, sollte, wie bei jeder anderen Krankheit auch, professionellen Rat einholen.

Psychotherapie ist die gezielte Behandlung einer psychischen Krankheit. Die Behandlung soll die Behebung eines bestimmten Problems anstreben und somit zeitlich begrenzt sein.
 

Es gibt drei Berufsgruppen, die in Deutschland eine Zusatzausbildung als Psychotherapeut absolvieren können:

 

  • Psychologen (Psychologischer Psychotherapeut)
  • Mediziner (Ärztlicher Psychotherapeut)
  • Pädagogen, die sich auf die Therapie von Kindern und Jugendlichen spezialisiert haben (Kinder- und Jugendtherapeut).

 

Der Einsatz von Medikamenten (Psychopharmaka) im Rahmen der Psychotherapie ist Ärzten (Psychiatern, also Ärzten mit Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie) vorbehalten. Der Begriff Psychotherapeut ist eine geschützte Berufsbezeichnung. Informationen darüber, wer eine qualifizierte Berufsausbildung vorweisen kann, geben Krankenkassen und der Vermittlungsdienst PID (Psychotherapie-Informations-Dienst).

 

 

Autor: Sabine Fischer, Dr. med. Martina Waitz

Datum: 07.Juli 2009

Psychische Krankheiten

Psychotherapie: Psychische Krankheiten

Das erste Anzeichen für eine psychische Erkrankung ist der individuelle Leidensdruck eines Menschen. Die Diagnose einer psychischen Krankheit kommt durch die Anamnese der Beschwerden des Patienten zustande. Häufig weisen Patienten eine Reihe von Symptomen auf, die zusammengenommen auf eine bestimmte Erkrankung hinweisen.

 

Die internationale statistische Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) – herausgegeben von der WHO -  führt alle anerkannten seelischen und körperlichen Krankheiten auf. Der Therapeut stellt die Diagnose und die Indikation für eine Psychotherapie basierend auf den Parametern dieses Verzeichnisses.

Angststörungenund Depressionen gehören zu den häufigsten psychologischen Erkrankungen. Schätzungsweise jeder zehnte Deutsche leidet im Laufe seines Lebens an einer solchen behandlungsbedürftigen Störung.

Weitere psychische Krankheiten sind:

 

Und: wer eine Psychotherapie macht, ist nicht verrückt, sondern um sich besorgt.Es ist ein Hinweis darauf, dass man Probleme erkennt, sich um sich kümmert und daran arbeiten will, sie zu überwinden.

 

 

Autor: Sabine Fischer, Dr. med. Martina Waitz

Datum: 07.Juli 2009

Therapiearten

Psychotherapie: Therapiearten

Die verschiedenen Therapieverfahren unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihres Verständnisses der Entstehung von psychischen Krankheiten als auch in ihrem Behandlungskonzept und der Haltung des Therapeuten.

 

  • Körperorientierte Psychotherapie, wie Körpertherapie

 

  • Systematische Psychotherapie, wie Familientherapie. Hierbei stehen auch die äußeren Sozialsysteme und deren Interaktionsmuster im Mittelpunkt der Analyse. Erkrankungen des Einzelnen werden als Symptome einer Störung des Systems betrachtet. 

 

  • Humanistisch-existenzialistische Psychotherapie, wie: Gesprächspsychotherapie, Logotherapie und Gestalttherapie. Im Mittelpunkt dieser Psychotherapie steht, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen. Ziel dabei ist es, sich als ganzheitliches Individuum wahrzunehmen.

 

  • Empirisch-psychologische Psychotherapie, wie Kognitive Therapie und Verhaltenstherapie. Eine Verhaltenstherapie stützt sich auf Verhaltensforschung und Lerntheorien. Spezifische Verhaltenstherapie wird insbesondere angewandt bei Angststörungen, Essstörungen, Sucht und Schizophrenie. Die allgemeine Verhaltenstherapie findet in Paar-Therapie, Ehe-Therapie und Familien-Therapie, sowie in der Verhaltensmedizin Anwendung. Die Verhaltenstherapie ist stark handlungsorientiert. Die Intervention geht über die räumliche Grenze eines Therapieraums hinaus. Im Mittelpunkt dieser Psychotherapie stehen Transparenz und das Verständnis von Hilfe zur Selbsthilfe. Es werden gemeinsam mit dem Therapeuten neue Erlebens- und Verhaltensmuster erarbeitet. Ziel der Verhaltenstherapie ist es, negative durch positive Verhaltensmuster zu ersetzen.

 

  • Psychodynamische Psychotherapie, wie Katathym-imaginative Psychotherapie (KIP), Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (Tiefenpsychologie),Transaktionsanalyse und Psychoanalyse. Die Psychoanalyse geht zurück auf Sigmund Freud und basiert auf der Theorie des pathologischen und normalen Verhaltens. Der Psychotherapeut arbeitet hierbei mit einem Strukturmodell dreier Bewusstseinszustände (Ich, Es, Über-Ich) und den Bewusstenseinsschichten bewusst, unbewusst und vorbewusst. Die Analyse umfasst psychische Vorgänge durch Traumdeutung oder freie Assoziation. Als langfristiges Verfahren wird die Psychoanalyse insbesondere bei Neurosen angewendet. Ziel dieser Form der Psychotherapie ist das Bewusstmachen von verdrängten Erinnerungen und Gefühlen, die einen gesunden Lebenszustand blockieren. Dem grundlegenden Prinzip zufolge, befinden sich die Ursachen der Störungen im Unbewussten und können durch das erneute Durchleben verarbeitet werden. Erbringt man bei der analytischen Psychotherapie die Bereitschaft zur Selbstanalyse, bestehen gute Erfolgschancen.

 

Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten tiefenpsychologisch fundierter Verfahren, der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie übernommen.

 

 

Autor: Sabine Fischer, Dr. med. Martina Waitz

Datum: 07.Juli 2009

Durchführung

Psychotherapie: Durchführung

Eine Psychotherapie wird häufig als Einzeltherapie durchgeführt, dass heißt nur Therapeut und Patient sind beteiligt. Möglich sind auch eine Gruppentherapie sowie spezielle Formen von Psychotherapien wie die Musiktherapie, das Psychodrama und die Hypnotherapie. 
 
Je nach Psychotherapie-Form sitzen sich Therapeut und Patient gegenüber oder der Patient liegt auf einer Liege oder einem Sofa (z.B. bei der Psychoanalyse). Meist findet die Behandlung ambulant in der psychologischen Praxis des Therapeuten oder stationär in einer Klinik statt. Vor allem die Verhaltenstherapie kann sich auch auf äußere Räume und in den Alltag des Patienten erstrecken. Eine ambulante Therapie setzt allerdings immer eine gewisse psychische Stabilität des Patienten voraus.

Eine Psychotherapie kann verschieden lang sein. Die Krankenkassenrichtlinien erfordern dass das Behandlungsziel auf wirtschaftlich günstigste Weise erreicht wird.

Die Dauer einer Behandlung kann wie folgt aussehen:

 

Bei der Verhaltenstherapie:

  • Kurzzeittherapie: 25 Sitzungen á 50 Minuten
  • Langzeittherapie: 45 Sitzungen á 50 Minuten
  • Höchstens werden 80 Stunden genehmigt

 

Bei der Psychoanalyse:

  • Regelzeit 160 Stunden
  • Maximal werden 300 Stunden gezahlt

 

Bei der tiefenpsychologisch fundierten Therapie:

  • Regelzeit 50 Stunden
  • Maximal 100 Stunden

 

 

Autor: Sabine Fischer, Dr. med. Martina Waitz

Datum: 07.Juli 2009

Risiken

Risiken 
Eine Psychotherapie sollte grundsätzlich nur durch einen ausgebildeten Psychotherapeuten erfolgen. Falsch durchgeführt, birgt sie Risiken wie beispielsweise die Verstärkung der psychischen Problematik. Auch kann der Erfolg der Behandlung nicht immer garantiert werden. Die eigene Bereitschaft beeinflusst den Erfolg jeder Psychotherapie: Je größer die eigene Motivation, desto besser die Erfolgsaussichten. 
 
Das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient ist sehr wichtig. Im Verlauf der Psychotherapie kann es allerdings auch zu einer zu engen Beziehung oder zu einem Abhängigkeitsverhältnis kommen. Erfahrene Psychotherapeuten wissen mit solchen Situationen professionell umzugehen. 

 

Viele Versicherungen wie etwa Lebensversicherungen oder Risikolebensversicherungen gehen sehr unmodern mit Psychotherapien um und berechnen hohe Risikozuschläge, wenn Klienten sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden.

 

 

Weitere Informationen
 
Autor: Sabine Fischer, Dr. med. Martina Waitz

Datum: 01. Juli 2008

Überarbeitet: 07.Juli 2009, Tanja von Ungern-Sternberg

Quellen: Berufsverband Deutscher Psychologen und Psychologinnen: (Stand 06/2008)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Psychotherapie-Informations-Dienst: (Stand 06/2008)
Reimer, Ch.; Eckert, J.; Hautzinger, M.; Wilke, E.: Psychotherapie: Ein Lehrbuch für Ärzte und Psychologen, Springer, Berlin 2008

 

Psychotherapie;Psychische Störungen;Verhaltenstherapie