Definition
Hirnwasser-Untersuchung: Definition
Eine Hirnwasser-Untersuchung, auch Liquor- oder Lumbalpunktion genannt, ist die Analyse von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, dem Hirn- oder Nervenwasser, aus dem Rückenmarkskanal. Die Entnahme des Hirnwassers aus der Lendenwirbelsäure erfolgt bei einem ambulanten Eingriff.
Anschließend ist je nach Verlauf der Hirnwasser-Entnahme eine Ruhezeit von vier bis 24 Stunden nötig.
Autor: Karin Wunder, Dr. med. Martina Waitz
Datum: 01. Mai 2008
Durchführung
Hirnwasser-Untersuchung: Durchführung
Die Entnahme des Nervenwassers für die Hirnwasser-Untersuchung erfolgt im Sitzen oder Liegen. Der Oberkörper ist dabei nach vorn gebeugt, die Rückenmuskulatur entspannt. Diese Haltung wird auch als „Embryohaltung“ bezeichnet. Dabei ist es wichtig, dass die Schultern auf gleicher Höhe stehen.
Nun wird der Bereich des unteren Rückens großflächig desinfiziert. Auf Wunsch ist eine Betäubung der entsprechenden Stelle möglich. Mit einer etwa acht bis zehn Zentimeter langen Nadel erfolgt die Punktion zwischen zwei Lendenwirbelkörpern der Lendenwirbelsäule. Anschließend kann der Liquor, die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, in einen Katheter abfließen. Danach erfolgt die Analyse des Liquors im Labor.
Autor: Karin Wunder, Dr. med. Martina Waitz
Datum: 01. Mai 2008
Anwendung
Hirnwasser-Untersuchung: Anwendung
Mithilfe einer Hirnwasser-Untersuchung lassen sich entzündliche Erkrankungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) erkennen oder ausschließen. Dies sind vor allem eine Hirnhautentzündung (Meningitis) und eine Gehirnentzündung (Enzephalitis). Auch die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung, zu deren Diagnose die Lumbalpunktion gehört.
Weiterhin streuen bestimmte Formen von Hirntumoren Krebszellen aus dem Gehirn ins Hirnwasser. Diese sind bei einer Hirnwasser-Untersuchung identifizierbar. Bei der sogenannte Subarachnoidalblutung (SAB) gelangt Blut in den Subarachnoidalraum, den Raum um Gehirn und Rückenmark. Dieses Blut ist mittels einer Lumbalpunktion ebenfalls nachweisbar.
Autor: Karin Wunder, Dr. med. Martina Waitz
Datum: 01. Mai 2008
Risiken
Hirnwasser-Untersuchung: Risiken
Die Hirnwasser-Untersuchung selbst birgt keine Risiken, allerdings ist die Entnahme des Hirnwassers (Punktion) nicht komplikationsfrei. Deshalb ist eine ausführliche Nutzen-Risiko-Abwägung vor der Hirnwasser-Untersuchung sinnvoll. Außerdem ist sie trotz lokaler Betäubung nicht schmerzfrei. Ein seltenes, aber gefährliches Risiko besteht in einem erhöhten Hirndruck, der zur Einklemmung des Gehirns führen kann.
Während der Entnahme des Hirnwassers kann es zu einem spontanen Schmerz im Bein kommen, der von der punktierten Stelle ausgeht. Das bedeutet, dass die Nadel eine Nervenwurzel berührt beziehungsweise gereizt hat und ist in der Regel harmlos.
Nach der Punktion können außerdem Kopfschmerzen auftreten, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden, sowie kurzzeitige Lähmungserscheinungen. Infektionen wie eine Bakterielle Meningitis können ebenfalls durch eine Hirnwasser-Untersuchung ausgelöst werden. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Blutungsrisiko.
Weitere Informationen
Autor: Karin Wunder, Dr. med. Martina Waitz
Datum: 01. Mai 2008
Quellen: Klingelhöfer, J., Rentrop, M.: Klinikleitfaden Neurologie, Psychiatrie. Urban & Fischer, München 2003
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostische Liquorpunktion. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/117 (Stand: 11/2004)
Mumenthaler, M., Mattle, H.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2002
